Campbeltown: Schottlands kleinste Whisky-Region mit der größten Geschichte
Campbeltown ist mit nur drei aktiven Destillerien die kleinste offiziell geschützte Whisky-Region Schottlands – und zugleich eine der geschichtsträchtigsten. Im Mai 2022 bin ich selbst dorthin gereist, vom beschaulichen Tarbert bis nach Campbeltown über den Kintyre Way (öffnet in neuem Tab) (extern).
Campbeltown liegt am äußersten Ende der Kintyre-Halbinsel
Campbeltown liegt im Süden von Kintyre, einer rund 65 Kilometer langen, schmalen Halbinsel im Westen Schottlands, die weit in den Atlantik hineinragt. Luftlinie sind es nur 97 Kilometer bis Glasgow, über die kurvenreichen Straßen entlang von Lochs und Bergen werden daraus aber rund 217 Kilometer. Es gibt ab Glasgow eine direkte Verbindung per Bus, eine Fahrt, die sich auch landschaftlich lohnt.
Von der Whisky-Hauptstadt der Welt zur kleinsten Region
Im viktorianischen Zeitalter drehte sich hier fast alles um Whisky. Über 30 Destillerien produzierten in Campbeltown. Die Stadt trug den Beinamen „Whisky-Hauptstadt der Welt" und hatte zeitweise das höchste Pro-Kopf-Einkommen im gesamten Vereinigten Königreich. Der Niedergang kam schnell. Sinkende Qualität durch Massenproduktion, gestiegene Steuern, der Erste Weltkrieg, die Prohibition in den USA und die Weltwirtschaftskrise trafen die Region hart. 1923 schloss zudem die Zeche Drumlemble, die günstige lokale Kohle lieferte. Allein in den 1920er-Jahren schlossen 17 Destillerien. Übrig blieben nur noch Springbank und Glen Scotia. Heute leben knapp 4.400 Menschen in der Stadt, die neben dem Whisky auch als Fischereihafen bekannt ist.
Drei Destillerien sichern bis heute den Sonderstatus
Nach den Scotch Whisky Regulations von 2009 gilt Campbeltown offiziell als eine von nur fünf geschützten schottischen Whisky-Regionen ("Islands" sind keine eigene geschützte Region, da sich diese jedoch im Alltag eingebürgert hat, verwenden wir auch auf dieser Website sechs Regionen). Der Status stand jedoch auf der Kippe: Im Jahr 2000 zählte die Scotch Whisky Association die Region wegen nur zwei verbliebener Destillerien zeitweise nicht mehr als eigenständig. Die Rettung kam 2004: Springbank-Eigentümer Hedley Wright baute die Ruine der alten Glengyle-Destillerie wieder auf. Seitdem produziert Glengyle unter dem Namen Kilkerran – allerdings nur rund drei Monate im Jahr, meist von Oktober bis Dezember. Damit zählt Campbeltown wieder drei aktive Destillerien: Springbank (gegründet 1828), Glen Scotia (gegründet 1832) und eben Glengyle/Kilkerran.
Salzig, ölig, komplex: der typische Campbeltown-Geschmack
Campbeltown-Whiskys gelten als robust und vielschichtig. Charakteristisch ist eine leicht salzige, maritime Note, die von der Nähe zum Meer stammt, oft begleitet von einem Hauch Rauch und einer gewissen Öligkeit am Gaumen. Dazu gesellen sich häufig fruchtige, teils toffeesüße Aromen. Springbank etwa wird leicht getorft und ungewöhnlich 2,5-fach destilliert, die Schwestermarke Longrow ist deutlich rauchiger, Hazelburn komplett ungepeatet und dreifach destilliert.
Mein Weg dorthin: zu Fuß über den Kintyre Way
Nach Campbeltown zu reisen, bedeutet fast immer eine längere Anfahrt. Ich habe mich für den Kintyre Way entschieden, einen rund 161 Kilometer langen Fernwanderweg von Tarbert im Norden bis Machrihanish im Süden. Weite Abschnitte davon sind wirklich lohnenswert: hübsche Buchten, Wälder, das hügelige Land zwischen den Meeren. Auf der Westseite hat man Ausblick auf Jura, Islay und bei klarer Sicht sogar Nordirland. Falls man möchte, kann man auch nur Teilstrecken wandern und ansonsten auf der Westseite die Buslinien nutzen. Ebenfalls bietet sich ein Ausflug nach Arran an. Von dem winzigen Örtchen Claonaig (im Grunde gibt es hier lediglich den Fähranleger, es lohnt aber ein Spaziergang nach Skipness mit Burg, Garten und kleinem Imbiss) an der Ostküste fährt eine Fähre in den landschaftlich wunderschönen Ort Lochranza. Dort gibt es auch einen Campingplatz und eine ausgesprochen empfehlenswerte Destillerie.
Die „Wee Toon": urige Gassen und gemütliche Pubs
Einheimische nennen ihre Stadt liebevoll „Wee Toon". Mir hat der urige Charakter gefallen – ein paar wirklich hübsche, ungezwungene Pubs laden nach einem langen Wandertag zum Verweilen ein. Von der einstigen Pracht als reichste Stadt des Landes ist äußerlich nicht mehr viel übrig, aber gerade das gibt Campbeltown seinen bodenständigen Charme.
Springbank von innen: eine Führung wie aus einer anderen Zeit
Ein Highlight meines Aufenthalts war der Besuch bei Springbank. Die Führungen dort sind angenehm klein und persönlich: Du bekommst viele Winkel der Destillerie gezeigt, auch die Ecken, die andernorts für Besucherinnen und Besucher tabu sind. Im Anschluss folgt eine Verkostung im urigen Tasting-Room der Destillerie – deutlich weniger poliert als bei vielen größeren Häusern, dafür umso authentischer.
Fazit: Lohnt sich der Ausflug nach Campbeltown?
Campbeltown ist kein Ort, an dem man zufällig vorbeikommt. Wenn du dich für die Geschichte des Scotch interessierst oder den unverwechselbaren, salzig-öligen Charakter der Region probieren willst, wirst du mit einer der authentischsten Whisky-Regionen Schottlands belohnt.
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Destillerie, Region IslandsArran
Die Arran Distillery, auch Lochranza Distillery genannt, liegt bei Lochranza im Norden der Isle of Arran. Sie wurde 1995 eröffnet und war die erste legale Brennerei der Insel seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Harold Currie initiierte das Projekt; die Gesellschaft firmiert als Isle of Arran Distillers Ltd. Der Standort nutzt Wasser aus Loch na Davie und liegt am Fuß der Berge im Norden Arrans. Die Brennerei produziert überwiegend ungetorften Single Malt. Für einzelne Reihen werden jedoch auch getorfte Malze eingesetzt, die unter dem Namen Machrie Moor bekannt sind. Nach der Destillation reift der Whisky in einer Auswahl von Fässern, darunter ehemalige Bourbon- und Sherryfässer. Die regulären Arran-Abfüllungen sowie limitierte Fass- und Finishvarianten unterscheiden sich daher in Alter, Fassauswahl und Alkoholstärke. Arran gilt geografisch als Inselregion, ihr Stil wird aber oft als Verbindung von Highland- und Inselmerkmalen beschrieben. Neben Lochranza betreibt das Unternehmen seit 2019 auch die Lagg Distillery im Süden der Insel, die sich auf rauchigeren Whisky konzentriert. Lochranza bleibt der Ursprung der Marke Arran und ein Besucherziel mit Shop und Führungen. Die Rückkehr einer Brennerei nach Arran gab der Insel zudem wieder eine sichtbare Rolle in der modernen Scotch-Whisky-Produktion.
Destillerie, Region CampbeltownGlen Scotia
Glen Scotia steht in Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre und wurde 1832 gegründet. Die Brennerei entstand in einer Zeit, in der Campbeltown ein bedeutendes Zentrum der schottischen Whiskyproduktion war. In der Hochphase arbeiteten dort deutlich mehr Destillerien als heute. Glen Scotia überstand die Krise der lokalen Whiskyindustrie im 20. Jahrhundert jedoch nicht ohne Unterbrechungen und wechselte mehrfach den Eigentümer. Sie gehört heute zur Loch Lomond Group. Die Produktion verbindet Campbeltown-Malt mit unterschiedlichen Stilmitteln. Glen Scotia verwendet je nach Abfüllung ungetorftes oder leicht getorftes Malz und reift Whisky in verschiedenen Fassarten. Das reguläre Angebot umfasst Abfüllungen mit Altersangabe sowie Fass- und Sondereditionen. Die Brennerei beschreibt ihren Stil als maritim geprägt; diese Bezeichnung ist eine sensorische Einordnung und keine Aussage über einen einzelnen Produktionsschritt. Kupferne Brennblasen und Eichenfässer bilden auch hier die Grundlage der Herstellung. Campbeltown ist als geschützte Scotch-Whisky-Region anerkannt und wird heute von wenigen aktiven Brennereien vertreten. Glen Scotia ist deshalb sowohl für die Marke als auch für die Fortführung dieser regionalen Tradition relevant. Die Anlage bietet Besuchsmöglichkeiten und erzählt ihre Geschichte im Zusammenhang mit der Hafenstadt. Aktuelle Informationen zu Sortiment, Führungen und Produktion stellt der Eigentümer auf der offiziellen Glen-Scotia-Website bereit. Wikipedia fasst die Gründung, die zeitweiligen Stilllegungen und die Eigentumsentwicklung zusammen.
Destillerie, Region CampbeltownSpringbank
Springbank in Campbeltown ist eine der letzten vollständig unabhängigen Destillerien Schottlands und gilt unter Kennern als Inbegriff handwerklicher Whiskyproduktion. Die Destillerie wird seit 1837 ununterbrochen von der Familie Mitchell betrieben und ist die einzige Brennerei der Welt, die den gesamten Produktionsprozess – vom Mälzen der Gerste über die Destillation bis zur Abfüllung – vollständig in eigenen Räumlichkeiten durchführt. Es gibt keine Kurzabschnitte, keine zugekauften Destillate, kein Chill-Filtering und keine künstlichen Farbstoffe. Campbeltown war einst als »Whisky-Hauptstadt der Welt« bekannt: Im 19. Jahrhundert produzierten über 30 Destillerien in der kleinen Hafenstadt an der Kintyre-Halbinsel. Heute sind es nur noch drei – Springbank, Glengyle und Glen Scotia – und Springbank ist die einzige, die noch kontinuierlich arbeitet. Die einzigartige 2,5-fache Destillation (die Waschblasen-Destillate werden teils in eine Mittelblasen, teils direkt in die Spiritusblasen geleitet) ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Springbank produziert gleich drei völlig unterschiedliche Single Malts: Springbank selbst (leicht getorft, 2,5-fach destilliert), Longrow (schwer getorft wie ein Islay-Whisky, 2-fach destilliert) und Hazelburn (ungetorft, 3-fach destilliert, cremig und weich). Diese Bandbreite innerhalb einer einzigen kleinen Brennerei ist weltweit einzigartig. Springbank-Abfüllungen werden von Sammlern heiß begehrt und verzeichnen regelmäßig deutliche Wertsteigerungen auf dem Sekundärmarkt.







